Missverstehen wir uns richtig?

Shownotes

„Mensch, du hast Recht“. Vier Worte, einfach gesagt. Denn um Projekte und Prozesse zum Scheitern zu bringen, braucht es keinen bösen Willen – häufig reicht schon ein Missverständnis. Kommunikation hat hier eine Schlüsselrolle. Missverstehen wir uns richtig? Über Kommunikation im Reha-Prozess spricht "rehalitätsnah"-Host Dr. Marco Streibelt in der neuen Folge mit Dr. Michellé Möhring, Technische Universität Dortmund. Es geht um Kommunikation in der beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, Eingliederungs- und Wiedereingliederungsprozesse – um das Scheitern und das Gelingen. Hören Sie rein.

Foto: Johannes Schurmans

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00:00:00: Kennen Sie die Kopfstandmethode?

00:00:02: Was braucht es, damit ein Prozess so richtig scheitert?

00:00:06: und wie kommen wir aus der Nummer geschickt wieder raus.

00:00:09: Lassen sie uns heute über Kommunikation in Prozessen sprechen und darüber wo und warum sie nicht funktioniert.

00:00:33: Mensch du hast recht.

00:00:35: vier Worte einfach gesagt.

00:00:38: aber Wie oft kommen sie uns ehrlich über die Lippen?

00:00:42: Damit lege ich den Finger schon direkt in die Wunde.

00:00:45: Um Projekte und Prozesse zum Scheitern zu bringen, braucht es keinen bösen Willen.

00:00:50: Häufig reicht schon ein Missverständnis.

00:00:53: Kommunikation hat hier eine Schlüsselrolle.

00:00:56: Missverstehen wir uns richtig!

00:00:57: Darüber spreche ich heute mit Dr.

00:00:59: Michelle Möhring.

00:01:03: Herzlich willkommen Frau Mörring.

00:01:05: Hallo, schön dass ich da sein darf.

00:01:07: Jetzt bin ich gespannt.

00:01:08: Frau Möhring wie stellen Sie sich den anderen Menschen vor?

00:01:11: Naja in erster Linie bin ich Rehabilitationswissenschaftlerin aber schon seit vielen Jahren am Fachgebiet für qualitative Forschungsmethoden und strategische Kommunikation.

00:01:21: Für Gesundheit, Inklusion und Teilhabe etwas sperrig.

00:01:23: Aber was natürlich drin steckt ist dieses Thema strategische kommunikation Und deswegen beschäftige Ich mich seit vielen jahren eben damit Wie man teil habe und inklusion durch kommunikations fördern kann, aber eben auch welche Barriere-Kommunikationen darstellen können.

00:01:40: Und wie zum Beispiel Kommunikationsdigmatisierung fördert nicht intendierte Effekte hervorruft und so weiter?

00:01:47: Dann sind wir ja schon gleich beim Thema!

00:01:49: Aber bevor wir noch ins Thema einsteigen habe ich die Frage nicht allen Stellen.

00:01:54: Sie haben zur Kommunikation in der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen geforscht.

00:01:58: Sie forschen dazu – sie haben es gerade schon dargestellt.

00:02:00: Was bedeutet für Sie Menschlichkeit in diesem Feld?

00:02:04: Also Menschlichkeit ist natürlich in dem Feld an sich total zentral und für mich ganz persönlich bedeutet Menschlichkeit, die Menschen um die es geht.

00:02:13: Die Menschen mit Behinderung, mit chronischen Erkrankungen eben nicht auf ihre Defizite auf bestimmte Merkmale zu reduzieren sondern eben als Menschen im Ganzen zu betrachten und zu fördern.

00:02:23: Und ein weiterer wichtiger Aspekt das für mich da aber auch Ehrlichkeit also dass wir trotzdem natürlich in diesen Kontexten in denen bewegen, ehrlich darüber sprechen was geht.

00:02:36: Was geht nicht?

00:02:36: Ehrlich und transparent darüber kommunizieren.

00:02:41: Sie gehen ja immer wieder auf ihr Lieblingsthema zurück auf die Kommunikation.

00:02:45: um dieses Thema soll es auch heute gehen.

00:02:48: deswegen haben wir sie eingeladen.

00:02:50: ich persönlich finde das hoch interessant diesen ganzen Prozess mal aus der Perspektive zu betrachten.

00:02:55: dass haben wir bislang recht selten getan.

00:02:57: Sie haben sich in diesem Projekt mit der Kommunikations- oder Wiedereingliederungsprozessen beschäftigt.

00:03:04: Es geht immer um Menschen mit Behinderung und wie mit ihnen kommuniziert wird.

00:03:07: Aber ganz kurz, was genau haben Sie da eigentlich gemacht?

00:03:10: Erklären Sie es den Publikum mal kurz!

00:03:12: Genau, also jetzt in einem ersten Schritt um sich diesem Thema Kommunikation mal zu nähern.

00:03:17: Also wir plädieren immer da muss ich ein bisschen vorweggreifen dafür dass kommunikation evidenzbasiert erfolgen sollte.

00:03:22: Also ganz häufig kommunizieren wir aus dem bauch heraus.

00:03:26: Wir machen das was wir intendieren was wir gut halten und was wir beabsichtigen oder denken zu beabsichten wissen aber noch relativ wenig darüber Was eigentlich die Forschung dazu sagt?

00:03:36: Also was sind Prinzipien, die ich beachten muss.

00:03:38: Wie sollte ich mit wem kommunizieren?

00:03:41: und um uns diesem Thema gerade jetzt im Kontext der Wiedereingliederung so ein bisschen zu nähern haben wir eine systematische Literaturrecherche durchgeführt und haben uns angeschaut, was gibt es für Studien, die sich mit dem Thema Kommunikation auseinandersetzen?

00:03:54: Gerade in den Bereich Human Research Management Personalentscheidungen, Personalentwicklungen?

00:03:59: Und was wissen wir über diese kommunikativen Prozesse, die da laufen?

00:04:03: Und genau da haben wir insgesamt um die siebenhundert Studien identifizieren können, die ja irgendwie in irgendeiner Art und Weise etwas mit Wiedereingliederung.

00:04:12: Mit Menschen mit Behinderungen aber nicht nur sondern generell auch einfach mit dem Thema Kommunikation zu tun hatten, die wir dann also fünfhundert davon haben Wir wirklich im Detail Analysiert vor, also wir hatten umfangreiches Kategoriensystem.

00:04:27: Wir haben versucht herauszufinden was sind hier eigentlich die Merkmale?

00:04:31: Die Kommunikation Kennzeichnen und haben dann kommunikative Empfehlungen identifiziert Um die sechshundert Stück in der Zahl, die teilweise direkt durch die Autoren gegeben wurden Teilweise aber auch eher indirekt waren.

00:04:45: Okay, ich hoffe Sie haben es noch ein bisschen zusammengedampft.

00:04:47: Über sechshundert Empfehlungen zu sprechen wird schwierig werden, da reicht die Zeit gar nicht.

00:04:50: Vorher eine andere Frage!

00:04:52: Ich finde das sehr interessant dass sie den Begriff der evidenzbasierten Kommunikation in den Mund genommen haben.

00:04:58: Evidenzbasierung bei uns bedeutet ja ganz klassisch, dass eine Intervention tatsächlich das tun soll oder das tut was sie tun soll also ihre Ziele auch erreicht.

00:05:09: wirksam ist diesbezüglich und Empfehlung, Voraussetzung für die Professionals ist diese Leistung dann eben auch im Einzelfall anzuwenden.

00:05:17: Wie kennzeichnet sich evidenzbasierte Kommunikation?

00:05:19: Was muss ich mir darunter vorstellen?

00:05:21: Naja eben genauso wie Sie es beschrieben haben also dass wir uns ganz klar darüber sind was möchte Ich eigentlich mit meiner Kommunikations erreichen?

00:05:29: Also ich muss in einem ersten Schritt natürlich Ziele festlegen der Kommunikation.

00:05:33: Darf Kommunikations auch nicht nur so als beiläufigen Prozess, zumindest nicht in einem professionellen Handlungsfeld, indem wir uns bewegen denken sondern muss mir bewusst sein dass ich mit meiner Kommunikion eben immer etwas erreiche ob jetzt positiv oder negativ.

00:05:47: und dann muss ich wissen wer ist meine Zielgruppe?

00:05:50: Und wie kommuniziere ich am besten mit der Zielgruppen um mein Ziel zu erreichen?

00:05:55: Und evidenzbasierter Kommunikation wäre in diesem Kontext eben genau das.

00:05:59: Ich kenne meine Zielgruppe, ich weiß ganz genau auf welcher Stufe der beispielsweise Verhaltensänderung jemand steht?

00:06:06: Wo muss sich jemanden abholen?

00:06:08: Ich weiß auch ganz genau welche kommunikativen Strategien da wie wirken.

00:06:13: Wie relevant und wichtig ist denn Kommunikations- als Teil der Intervention?

00:06:18: Also was haben Sie rausgefunden?

00:06:20: wird es tatsächlich explizit betrachtet?

00:06:23: Also das würde ich noch mal auseinandernehmen.

00:06:26: Wichtig auf jeden Fall, wir stellen immer wieder fest dass Kommunikation ein elementarer Bestandteil ist.

00:06:32: also alles was gemacht wird in der Rehabilitation ist Kommunikations auf den unterschiedlichsten Ebenen.

00:06:40: Was wir aber andersrum auch gesehen haben und feststellen müssen, ist dass es nicht immer explizit als Gegenstand betrachtet wird.

00:06:46: Also wir immer noch viel zu wenig darüber wissen wie eigentlich kontextspezifisch Zielgruppen spezifische in diesem speziellen Setting kommuniziert werden sollte.

00:06:56: also die Wirkung an sich ist noch vielzu wenig Betrachtet worden.

00:07:01: Gibt es den Felder wo das schon besser betrichtet wurde?

00:07:04: Können wir von irgendwas lernen?

00:07:05: da an der Stelle?

00:07:06: Ja, also es gibt ja eine ganze Disziplin die Kommunikationswissenschaft, die sich genau mit diesem Thema auseinandersetzt.

00:07:12: Also mein Chef beispielsweise ist Kommunikationwissenschaftler.

00:07:15: von ihm lerne ich jeden Tag was alles so nicht funktionieren kann und nicht funktionierend sollte oder was man so wie nicht machen sollte.

00:07:24: wir wissen zum Beispiel dann aus anderen Handlungsfeldern auch zb aus der Stigma-Forschung dass man bestimmte Begriffe häufig so nicht verwenden sollte, dass man nicht Defizitorientiert kommunizieren sollte.

00:07:41: Dass man häufig mit der Kommunikation wie wir sie gestalten eher Abwehr- und Reaktanz auslöst als das wir Teilhabe und Inklusion fördern.

00:07:54: Das ist sehr interessant!

00:07:55: Und jetzt mal auf die Reha bezogen konkret – was sind typische Probleme?

00:08:02: Was haben Sie identifiziert?

00:08:03: Typische Probleme sind, die wir identifizieren konnten.

00:08:08: Einmal fehlendes Vertrauen zwischen den verschiedenen beteiligten Akteuren und Vertrauen wird eben auch über Kommunikation hergestellt so dass ein erster Punkt vielleicht sein könnte transparent zu kommunizieren und explizit Vertrauensbildung als ein Ziel der Kommunikation festzulegen.

00:08:28: Weil nur mit Vertrauen kann dann dieser gesamte REA-Prozess funktionieren, ein weiteres Problem ist ... dass häufig Missverständnisse entstehen, weil gar nicht betrachtet wird.

00:08:40: Ich hab das eine Ziel der Kommunikation und gute Absichten, aber ich schaue am Ende gar nicht, wie ist das bei meinem Gegenüber angekommen?

00:08:48: Ist es genau so angekommen, wie ich's intendiert habe?

00:08:51: Also missverständnisse fehlendes Vertrauen, auch unbeabsichtigte beschönigende Darstellungen, die letztlich dann wieder zu einem Vertrauensverlust führen können ... Weils

00:09:02: da nicht funktioniert.

00:09:03: Genau!

00:09:05: Das ist das, was ich am Anfang auch meinte mit diesem Thema Ehrlichkeit.

00:09:08: Ist in der Kommunikation natürlich ganz wichtig und eben weg von einer Defizitorientierung hin zu Kompetenzorientierung und Wertschätzung im gesamten Prozess?

00:09:21: Ich finde das hochinteressant, Frau Möring.

00:09:23: Weil Sie einen Blick auf den Reha-Prozess werfen wie wir ihn bislang ... meines Wissens nur selten geworfen haben.

00:09:31: Wir schauen sehr stark auf die Interventionen, auf Therapien, auf Angebote, die wir den Menschen machen oder auch anderen Stakeholders in dem Feld um berufliche Wiedereingliederung zu befördern vom Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderung.

00:09:45: Und wir beschäftigen uns fast gar nicht damit wie das Ganze kommuniziert wird.

00:09:50: Weil wir durchaus in einigen Studien sehen konnten dass der Wiedereingliederungsprozess, dass der Reha-Prozess – wie Sie es gerade erwähnt haben weit überwiegend über Kommunikation läuft und der Anteil, der über Therapie läuft vielleicht in Deutschland das ein oder andere mal durchaus ein bisschen überschätzt wird.

00:10:08: Einfach weil die Forschung aus dem Gebiet kommt ist klar ne?

00:10:10: Die Forschung kommt eher aus einem medizinischen oder psychologischen Bereich und die beschäftigen sich stark mit Interventionen an der Stelle.

00:10:16: aber das ganze vielleicht auch mal sociologisch zu betrachten und zusehend dass so einen Prozessen-Aushandungsprozess ist.

00:10:23: denn wir dürfen nicht vergessen da gibt es ja nicht nur die Betroffene Personen sondern gibt's ja ganz viele Stakeholder.

00:10:28: Alle haben ihre eigenen Interessen, alle haben ihre eigene Motive.

00:10:32: Manche wissen etwas und manche wissen noch nicht.

00:10:35: Da gibt es einen unterschiedlichen Wissenstand.

00:10:39: Wie kriegt man das gelöst?

00:10:42: Wenn ich schon diese hundertprozentige Lösung hätte, dann würde ich wahrscheinlich heute hier nicht stehen.

00:10:46: Aber der erste Schritt ist erst mal sich dessen bewusst zu werden.

00:10:51: Also welche fundamentale Rolle Kommunikation hat Wie wir es versucht haben, in einem ersten Schritt zu machen und zu systematisieren.

00:10:59: Was wissen wir?

00:11:01: Wir haben festgestellt, wir wissen noch gar nicht so viel beziehungsweise sehr allgemein.

00:11:05: Auch grade was ich gesagt habe sind ja eher allgemeine Prinzipien.

00:11:08: Und was wir jetzt aber bräuchten wäre wirklich evidenzbasierte Forschung im Feld.

00:11:13: also wir müssten wirklich gucken, was sind eigentlich die Kontexte wo am meisten Kommunikation stattfindet vielleicht auch am meisten schiefläuft das nochmal zu systematsieren im Reha-Prozess.

00:11:25: Wir sagen immer, der Goldstandard ist ja in der Forschung experimentelle Forschung und in der Kommunikationswissenschaft wird das auch ganz viel gemacht.

00:11:33: Dass man dann zum Beispiel kommunikative Strategien hat die werden experimentell gegeneinander getestet.

00:11:38: da wird dann ganz explizit geguckt was bei wem wie kommt wirklich dass an was ankommen sollte?

00:11:44: Und das wäre aus unserer Sicht jetzt der nächste Schritt dass man diese Art der Forschung mehr fördert.

00:11:52: Sie haben gerade angesprochen, die Ebene der Intervention ... nicht außer Acht zu lassen ist, aber es fängt ja schon vorher an.

00:12:01: Wie kommuniziere ich eigentlich auch welche Intervention jetzt für wen am geeigneten ist?

00:12:07: Wie mache ich Werbung dafür?

00:12:09: Wie bringe ich die Maßnahmen an die Menschen?

00:12:11: Das ist eine Art der Kommunikation.

00:12:13: und dann wenn die Personen in den Maßnahmen sind wie kommunizierte ich die Maßnahme auch gegenüber Arbeitgebenden beispielsweise damit da vielleicht ein Stück weit Stigmatisierung abgebaut werden kann

00:12:24: oder

00:12:25: keine falsche Erwartungshaltung.

00:12:27: dass man nicht die Idee hat, da kommt jetzt jemand aus dem Reha-Prozess und ist plötzlich irgendwie Superman oder so.

00:12:33: Die Probleme sind ja nicht von jetzt auf gleich ausgelöscht.

00:12:35: Wir müssen viel mehr Konkretes darüber wissen was genau wie kommuniziert werden muss.

00:12:43: Da sind wir dann wirklich am Anfang?

00:12:44: Dann müsste man ja wirklich dieselben Reha Prozesse auf eine andere Art und Weise untersuchen.

00:12:49: Meines Erachtens nämlich ganz genau hinschauen, wie kommuniziert wird.

00:12:52: Und ich vermute ... dass tatsächlich das sehr hemsärmlich aktuell passiert.

00:12:58: So wäre meine Vermutung, also es gibt ja wirklich auch keine wirklichen Handlungsempfehlungen diesbezüglich.

00:13:04: Das war auch unser Problem, weil wir gestoßen sind.

00:13:06: Wir hatten uns ein bisschen mehr von dieser Recherche erhofft ursprünglich.

00:13:11: Wir haben dann aber festgestellt, dass wenn der Begriff Kommunikation in irgendeiner Maßnahme auftaucht ... Es gab nie konkrete Konzepte oder etwas Konkretes, was man hätte überprüfen können.

00:13:22: Dann heißt es, Kommunikations spielt eine wichtige Rolle.

00:13:25: Aber welche denn?

00:13:26: Was genau?

00:13:28: Wann wird an welcher Stelle mit wem kommuniziert?

00:13:30: Das bleibt überwiegend offen!

00:13:33: Wir sprechen immer von Kommunikaten oder von situativer Kommunikation.

00:13:38: Die muss man halt erst mal verstehen und herausfinden, was da die Hauptszenarien sind, wo man auch ansetzen könnte.

00:13:45: Und wir haben damals ursprünglich angefangen, dass wir uns für diesen Vermittlungsprozess interessiert haben also wie vermittelende Dienste ... Menschen mit Behinderung, chronischen Erkrankungen eigentlich Bewerben in Anführungsstrichen.

00:13:59: Anbieten auf den Markt bringen?

00:14:00: Ja ja genau also wie wird vermittelt zwischen Arbeitgebenden und betroffener Personen?

00:14:04: mit Behnderung?

00:14:05: Und da haben wir eben festgestellt dass das sehr intuitiv erfolgt komplett unterschiedlich, je nachdem, mit wem man gesprochen hat.

00:14:12: Die eine Person macht A und die andere macht B. Ich setze auf Beziehung mit den Arbeitgebenden in.

00:14:17: die andere Person sagt nein es muss total strukturiert erfolgen.

00:14:20: ich habe hier meinen Fragenkatalog und den arbeite ich so durch.

00:14:24: da haben wir schon das erste Problem weil wenn das so unterschiedlich läuft dann haben wir natürlich auch nicht die Reichweite die wir erzählen wollen und wir wissen auch da nicht wie kommt es denn tatsächlich bei den Arbeitgebern an?

00:14:34: Und könnten wir vielleicht noch mehr erreichen wenn wir da entsprechend kommunizieren würden?

00:14:40: Aber ich kann sie beruhigen.

00:14:41: Es ist nicht der einzige Bereich, der stark auf Erfahrungswissen beruht und wo Evidenzbasierung nicht so eine große Rolle spielt.

00:14:48: Das sehen wir durchaus auch in anderen Bereichen.

00:14:50: Das ist halt auch sehr schwierig Praktiker-Praktikerinnen davon zu überzeugen, auf das eigene Vorgehen auch kritischer draufzuschauen.

00:14:57: Weil natürlich ... Ich kann für mich sagen dass ich die positiven Erfahrungen sehr gut mitnehme und wenn ich mich bestätigt fühle aber es fällt mir schwerer mein eigenes Handeln kritischer zu beleuchten und zu gucken, was ist nicht so gut gelaufen.

00:15:10: Dafür braucht es dann vielleicht auch Externe die dann da drauf schauen, die mir dann zeigen hier schau mal das kann anders funktionieren.

00:15:16: Und das ist ja auch normal?

00:15:17: Das is' ja auch die menschliche Psyche!

00:15:19: So ticken wir auch.

00:15:20: Wir müssen eine gewisse Identität... oder streben danach eine gewisse Identität aufrecht zu erhalten und ich möchte auch gar nicht sagen, dass alles schlecht läuft.

00:15:28: Also es läuft auch vieles gut und sicherlich gibt es auch in der Praxis super gute Ansätze.

00:15:33: aber die sind eben nicht systematisiert.

00:15:35: Nicht systematisch erfasst und wenn dann jemand neu ins Feld kommt hat man nichts worauf man irgendwie zurückgreifen kann.

00:15:42: Sie sagen also das wäre eine These Kommunikation ist ein relevanter Wirkfaktor für den Erfolg von Reaptations- und Wiedereingliederungsprozessen?

00:15:50: Ja Definitiv.

00:15:51: Und sollte auch als eigenständiger Wirkfaktor betrachtet werden, also dass wir nicht nur die Interventionsebene beschrachten, also die tatsächliche Maßnahme sondern wir sprechen von professioneller Begleitkommunikation das man immer auch weiß.

00:16:05: was sind eigentlich die Szenarien wo muss kommunikative Begleitung erfolgen und wie kann man Kommunikation professionalisieren dann in den verschiedensten Kontexten?

00:16:18: Ja, gute Frage.

00:16:19: Wie kann ich meine Beraterinnen und Berater davon überzeugen das jetzt anders zu machen?

00:16:24: Und da sind wir zum Beispiel dann auch einem interessanten Punkt diesem Change Management wenn ich jetzt rein theoretisch-hypothetisch gesprochen habe.

00:16:30: Ich hab jetzt mein perfektes Kommunikationskonzept.

00:16:33: Ich weiß ganz genau was in welchem Kontext wie funktioniert müssen sie auch besonders sensibel an ihre Mitarbeitern ran, dann kann ich das nicht einfach präsentieren und kann sagen so hier macht man hier setzt mal um.

00:16:44: Das ist auch ein langer Veränderungsprozess und da müssen die Mitarbeiter auch genau da abgeholt werden wo sie gerade stehen.

00:16:50: Und was wir auch immer wieder feststellen Menschen haben unterschiedliche Wertesysteme, Menschen haben verschiedene Dinge die ihnen wichtig sind sind, stehen neu unterschiedlich offen gegenüber und da müssen wir natürlich ansetzen.

00:17:05: Da gibt es keine One Fits All-Lösung.

00:17:07: das macht das Ganze irgendwie so komplex auch.

00:17:11: Und vielleicht zum Teil auch unbefriedigend.

00:17:13: also man muss sich kontextspezifisch anschauen zählgruppen spezifische und dann erstmal in die Analyse gehen.

00:17:21: Aber gibt es schon Studien an denen man sich orientieren kann im internationalen Bereich?

00:17:25: Also können Sie mal erklären eine typische experimentelle Studie wo der Wirkfaktor von Kommunikation analysiert wurde?

00:17:30: Ja, also es gibt experimentelle Studien.

00:17:33: Ich meine aber noch nicht jetzt so im klassischen Reha-Bereich auch international wenig.

00:17:41: Aber was jetzt so klassisch sein könnte ist, dass man sich ein bestimmtes Szenario raussucht?

00:17:46: Also zum Beispiel die Kommunikation im Vermittlungsprozess.

00:17:52: Man könnte sich anschauen welche Strategien wenden vermittelende Dienste an um die Arbeitgebende von einer und der gleichen Person zu überzeugen.

00:18:01: Und dann hat man sogenannte Stimuli, die eine Strategie A ist die eine Stimulus, Strategie B der zweite Stimulus, Strategiedrei... Der Dritte.

00:18:11: Und dann, ja schaut man was kommt am Ende bei den Arbeitgebenden dabei oben?

00:18:15: Da kann man zum Beispiel so etwas erfassen wie Einladungswahrscheinlichkeit.

00:18:19: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dass ein Arbeitgeber nach dieser kommunikativen Intervention die Person zu einem Vorstellungsgespräch einladen würde oder einen Praktikum anbieten würde je nachdem was der Output ist der mich jetzt auch gerade interessiert.

00:18:31: Das

00:18:31: heißt sie schulen die Leute unterschiedlich.

00:18:35: also Sie verteilen die erstmal verschiedene Gruppen die Professionals und dann werden sie unterschiedlich geschult.

00:18:45: Zum Beispiel könnte man das so machen, dass man dann ja die Leute schuld wie Sie schon sagen genau unterschiedliche Strategien anwenden lässt und am Ende guckt wer hat denn die höchste?

00:18:55: also wo ist denn die Wahrscheinlichkeit dass die Person mit Behinderung oder mit Erkrankungen eingeladen wird die Höchste?

00:19:02: Für mich ist das intuitiv total nachvollziehbar und ich bin als jemand, der auch Soziologie studiert hat.

00:19:07: Natürlich bei Ihnen das Aushandlung, Kommunikation des a und o von solchen Sachen.

00:19:12: Aber wenn Sie jetzt zu mir kämen und so eine Studie bei uns beantragen würden, da wäre ich noch nicht restlos überzeugt.

00:19:17: Jetzt brauche ich nochmal ein gutes Beispiel!

00:19:19: Haben sie eine experimentelle Studie die schon mal gezeigt hat dass bestimmte Kommunikationsstile besser sind als andere?

00:19:25: Fällt Ihnen was ein?

00:19:27: Also... Mir fällt jetzt aus dem Stigma-Kontext ein, dass wir da zum Beispiel festgestellt haben, dass eine eher defizitorientierte Kommunikation eben was auch sehr intuitiv plausibel ist zu einer stärkeren Stigmatisierung führt.

00:19:43: Das war die eine Kommunikationsstrategie, die andere war dann.

00:19:46: Dass wir versucht haben, eine Person möglichst mit ihren gesamten Kompetenzen und ganzheitlich darzustellen.

00:19:53: Da haben wir dann ganz klar festgestellt, dass die Stigmatisierungswahrscheinlichkeit sinkt, soziale Distanz sinkt.

00:20:00: Und das wäre jetzt so ein klassisches Beispiel aus dem Stigma-Kontext.

00:20:05: Und es hat auch dazu geführt, dass Menschen zufriedener waren am Arbeitsplatz?

00:20:09: Die Menschen mit mir.

00:20:11: Das wäre jetzt der nächste Schritt, das müsste man sich danach anschauen.

00:20:15: Bei diesen experimentellen Studien kann man sich nur einzelne Wirkfaktoren oder einzelne Dinge anschauen und losgelöst sind.

00:20:22: Dieses Setting wie es dann letztendlich auf den Arbeitsplatz auswirkt?

00:20:26: Wie zufrieden die Personen am Arbeitsplatz sind?

00:20:27: Das wäre im nächsten Schritt natürlich zu überprüfen.

00:20:30: Aber könnte man ja gleich miterheben ... Man

00:20:32: könnte es langfristig auch ob's da wirkt, ob's Veränderungen gibt.

00:20:37: Ich merke, dass ist sehr spannend Und sehr interessant.

00:20:41: Abschließend, weil wenn Sie noch mal eine zentrale Botschaft formulieren müssten auch an die Rehaszene?

00:20:46: Welche wäre das?

00:20:48: Ich glaube meine zentrale Botschaft wäre Wirkung ist oft wichtiger als die reine Absicht.

00:20:58: Also wir müssen halt immer darauf gucken.

00:21:00: wir können die besten Absichten haben aber letztendlich kommt es drauf an wie's dann wirkt und ob die Wirkung die ich erzählen möchte tatsächlich auch eintritt.

00:21:08: Danke, danke Frau Möhring.

00:21:10: Diese Botschaft nehme ich jetzt mal mit weil wir kommen zu unserer Kategorie Realitätscheck.

00:21:19: Was habe ich mitgenommen aus unserem Gespräch?

00:21:22: Also erstens hab' ich mitgenommen was sie gerade gesagt haben.

00:21:25: auch Kommunikation kann analog einer Intervention oder kann eigentlich als Intervention angesehen werden und das bedeutet dass die Messung der Wirksamkeit von Kommunikation, von Kommunikationsstieren und Methoden auf jeden Fall gemacht werden sollte.

00:21:43: Und nicht intuitiv die Kommunikationserfolgung, sondern im Sinne von.

00:21:47: ich weiß ja sowieso wie es geht.

00:21:49: Das ist also etwas was wir in anderen Fällen auch sehen gilt hier das war für mich der Aha-Effekt Nummer eins und aus Gesprächs Es war kein großer AHA-Effekt, aber es ist auch eine wichtige Info.

00:21:59: Es wird aktuell viel zu wenig betrachtet.

00:22:02: Das läuft eher mit, man spricht zwar über Kommunikation, das spielt eine große Rolle, sehen wir ja in den ganzen Modellen zur beruflichen Wiedereingliederung, dass Kommunikationsaushandlung immer noch Rolle spielt, aber explizit als Forschungsfeld überhaupt nicht betrichtet wird.

00:22:16: Da sind wir relativ blank glaube ich.

00:22:18: und drittens ... können zumindest in anderen angrenzenden Gebieten wie der Stigma-Forschung zeigen, dass eine andere Form von Kommunikation auch Realität verändert und damit Erfolg produziert.

00:22:30: Das wäre ein Ansatzpunkt für uns Frau

00:22:32: Möhring.

00:22:33: Vielen vielen Dank für das spannende Gespräch!

00:22:36: Gerne

00:22:36: danke euch!

00:22:37: Aber bevor wir auseinander gehen frage ich Sie direkt haben sie auch noch Lust auf den Spiel?

00:22:43: Klar gerne!

00:22:47: Fairy Tale!

00:22:50: Frau Mörring erinnern Sie sich an Ihre letzte gute Tat groß oder klein?

00:22:54: Meine letzte große Tat war, glaube ich, so ein bisschen das letzte Jahr.

00:22:57: Weil meine Mutter tatsächlich erkrankt ist und ich ihr komplettes Leben sozusagen neben meinem eigenen und meinem Familien mit übernommen habe.

00:23:06: also Ich hab mich um ihren Hund gekümmert, um meine Schwester die auch eine Behinderung hat Und hab ja so das System am Laufen gehalten Neben dem was man sonst noch so tut.

00:23:17: Das war meine letzte große tat.

00:23:19: Wow!

00:23:21: Eine wirklich große tat von Hörig.

00:23:23: Gibt es einen Satz oder ein Spruch, der sie immer wieder ermutigt?

00:23:27: Oder trägt.

00:23:28: Wie sagt man das noch mal?

00:23:29: Ich glaube gemeinsam sind wir stark nach dem Motto.

00:23:32: Also ich liebe einfach Gemeinschaft und habe so ein bisschen das Credo, dass man eigentlich gar nicht als Einzelkämpfer durchs Leben muss, sondern wenn man eine gute Gemeinsschaft hat, dass dann vieles schaffen kann.

00:23:45: Gemeinsam ist man mehr als die Summe der einzelnen Teile.

00:23:47: so ähnlich, sag mal das

00:23:47: da auch.

00:23:48: Ja, so ähnlich genau!

00:23:50: Ja, sehr gut.

00:23:50: Vielen Dank!

00:23:52: Welcher Moment hat Ihnen zuletzt das Gefühl gegeben?

00:23:54: Das war jetzt richtig gut.

00:23:58: Ich hab vor... Es gibt bestimmt viele Momente aber was mir als Allererstes einfällt ich habe vor einigen Jahren meinen ersten Projektantrag ganz alleine gestellt und ich hatte gar nicht so eine große Erwartungshaltung.

00:24:11: und als dieses Projekt dann bewilligt wurde, war ich richtig, richtig stolz.

00:24:15: es war so einen richtig guten Moment für mich.

00:24:17: Das glaube ich, das ist ein echter Erfolgsmoment.

00:24:19: Vor allem wenn man ja auch sozusagen noch nicht so weit ist und meint ... Ja, ich probiere es mal aus!

00:24:24: Und

00:24:25: dann kommt da was

00:24:25: Positives zurück.

00:24:26: Das ist natürlich wirklich spannend.

00:24:28: Wirklich toll.

00:24:29: hat das Projekt dann auch gut funktioniert?

00:24:30: Auch alles weiter?

00:24:30: Ja

00:24:31: wir haben das erfolgreich abgeschlossen mit den normalen Höhen- und Tiefen die man in solchen Projekten manchmal so hat aber es war auf jeden Fall ein riesengroßer Erfolg.

00:24:40: Wie auch übrigens unser Projekt hier gemeinsam gestalten durften.

00:24:43: also das muss ich echt sagen Ich habe Ihnen einen Bericht gelesen auch sehr beeindruckend Allein die ganze Masse an Informationen.

00:24:49: Ja, das ist zum Beispiel auch so ein Erfolgsmoment gewesen und das jetzt abzuschließen.

00:24:53: Wir haben ja so viele Studien gehabt, dass wir am Ende gesagt haben, boah!

00:24:56: Dass wir das geschafft haben in der kurzen Zeit.

00:24:59: Das war echt...

00:25:00: Das stimmt.

00:25:01: Letzte Frage im Sinne einer Lernkultur schätzen wir neue Erfahrungen sehr.

00:25:06: gab es in der jüngsten Vergangenheit eine Situation aus der Sie Neues mitnehmen konnten wo sie daraus lernen konnten.

00:25:12: Ja, ich glaube das sind genau diese Momente die ich gerade schon angesprochen habe.

00:25:17: Also immer wenn man das Gefühl hat es ist irgendwie grade so ein bisschen zu viel oder es geht nicht so richtig weiter dass man da trotzdem irgendwie viel gestärkt daraus hervorgeht ob das jetzt im beruflichen Kontext mit irgendwelchen riesigen Projekten die man dann aber trotzdem irgendwie meistert oder in privaten man geht irgendwie gestärk daraus heraus hervor.

00:25:35: Das glaube ich übrigens auch.

00:25:37: negativ finde ich also auch wenn's erst mal blöd ist wenn einem was nicht gelingt Man ist da ja durchgegangen und man weiß dann, okay ich bin immer noch da.

00:25:48: Ich bin immer nach ich und das nimmt mich jetzt ein Stück weit mit aber das war es dann auch.

00:25:52: Nach vorne schauen wie sagt man so schön schütteln und nach vorne schauen?

00:25:56: Und einfach vielleicht auch schon mal schauen was lief denn nicht gut.

00:25:59: Ein bisschen konstruktiver und das hatten sie ja vorhin auch schon angesprochen.

00:26:02: Bisschen aus den Fehlern auch lernen.

00:26:06: Danke für Ihre Offenheit und ihre tollen Antworten.

00:26:09: Und ich habe mich sehr gefreut über unser Gespräch, Frau Möhring.

00:26:11: Danke schön!

00:26:16: Mensch du hast Recht.

00:26:18: Freuen Sie sich auch auf die nächsten Folgen in denen es wieder um sie und ihr Recht auf Rehabilitation geht.

00:26:24: Ich freue mich auch darauf.

00:26:26: Vielen Dank fürs Zuhören bis dann.

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